Vitamine und offizielle Einnahmeempfehlungen

Wie bereits ausgeführt, gibt es einzelne Vitamin-Gruppen. Die wichtigste Unterscheidung ist ihre «Löslichkeit». Diese chemische Eigenschaft bestimmt unter anderem die Art der Einnahme und ihren Speicher- und Wirkort.
Die sogenannten fettlöslichen Vitamine werden besser mit einer vollständigen Mahlzeit aufgenommen. (Die meisten Vitamin D – Präparate liegen in einer öligen Lösung vor.) Sie werden in unserem Fettgewebe gespeichert und wirken in den Zellen bzw. in den «fettigen» Zellwänden. Damit ist auf die Menge der Zufuhr zu achten. Durch die Möglichkeit des Speicherns kann eine zu grosse Einnahme-Menge erreicht werden mit möglicherweise negativen gesundheitlichen Folgen.
Dessen sind sich alle Gesundheitspersonen und alle Gesundheitsämter bewusst, darum gibt es Einnahme-Empfehlungen. Letztere bewegen sich je nach Land, Erkenntnisstand und Einsatz in unterschiedlichen Höhen. Es gibt Fachgesellschaften, die Empfehlungen für die Nähstoffzufuhr herausgeben. Das begann im letzten Jahrtausend, als in England durch die grossen Hungersnöte im District Lancashire erste Empfehlungen erarbeitet wurden. Sie dienten ausschliesslich dazu, in Kriegs- und Hungerzeiten eine Minimalversorgung der Bevölkerung bzw. einer Armee! sicherzustellen.
Erst im folgenden Jahrhundert (1941) brachte das U.S. National Research Council Empfehlungen heraus, die die «perfekte Gesundheit» der Bevölkerung zum Ziel hatten. Diese RDA (recommended dietary allowances) werden in einem 5-jahres Rhythmus den aktuellen Erkenntnissen angepasst und dienen weltweit als Grundlage nationaler Empfehlungen. Das klingt alles sehr wissenschaftlich und gut, leider spielen auch politische Überlegungen eine Rolle.
Wie werden nur diese Werte ermittelt?
Man nimmt eine «repräsentative» Bevölkerungsgruppe, die gesund ist und keine Mangelsymptome hat. Man erhebt (meist mit Fragebogen) die Ernährungsgewohnheiten, errechnet daraus eine Einnahme-Menge eines bestimmten Nährstoffes und hat somit den geschätzten mittleren Bedarf EAR. Dann wird mittels einer mathematischen Umrechnung (Gaußsche Normalverteilung) die RDA errechnet (+ 2 Standartabweichungen). Dann geht man davon aus, dass mit dieser täglichen Einnahme-Höhe 97% der Bevölkerung keine Mangelerscheinungen entwickeln und gesund bleiben. Mathematisch gesehen ist diese Überlegung sinnvoll, es darf davon ausgegangen werden, dass damit die Bevölkerung als Ganzes gesund bleibt. Die Schwierigkeit liegt im Detail. Einerseits handelt es sich um Bevölkerungsgruppen! Und die Bestimmungen des EAR liegen zum Teil über 40 Jahre zurück, repräsentieren also die Ernährungsweise in dieser Zeit (die unserer Eltern oder Grosseltern). Sie sind also nur ein Anhaltspunkt für gesunde, unbelastete Individuen wie es im Taschenatlas Ernährung von Prof. Biesalski, Prof. Grimm und S. Nowitzki-Grimm nachzulesen ist.
In Europa beschäftigt sich die EFSA (European Food Safety Authority) mit demselben Thema und haben ebenso wie in den USA «Höchstmengen» = ein sicherer oberer Grenzwert der Einnahmemenge eines Stoffes erarbeitet. Dieser Wert namens UL (Tolerable Upper Intake Level) beschreibt keine Menge ab welcher mir Vergiftungs- (=Toxizitäts-) Erscheinungen zu rechnen ist, sondern soll ein Auftreten von unerwünschten Effekten verhindern. (Bei dem Mineralstoff Magnesium wäre das z.B. der Durchfall). Damit haben wir meistens mehrere Einnahme-Werte:
- Die nutritiven Empfehlungen (sie gelten meistens für die Gesamtbevölkerung und geben für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Schwangere und Stillende oder Senioren höhere oder niedrigere Werte an)
- Die UL (Europa USA) und den
- Therapeutischen Dosierungsbereich
Damit versucht man eine sinnvolle tägliche Einnahme Menge festzulegen um:
- einem «generellen Mangel» vorzubeugen,
- prophylaktisch einer Erkrankung vorzubeugen oder
- therapeutisch einen Mangel auszugleichen oder eine Erkrankung begleitend zu therapieren)
Das Ganze ist etwas verwirrend. Wie oben erwähnt sind auf jeden Fall die Einnahme-Mengen der fettlöslichen Vitamine sicherheitshalber mit einer Fachperson abzusprechen. Die wasserlöslichen Vitamine werden in der Regel (fast nicht gespeichert) und problemlos ausgeschieden. Sie sind daher tendenziell unbedenklich, was ihre Einnahmemenge betrifft.
Die fettlöslichen Vitamine
Es handelt sich dabei um die Vitamine A, D (Sonnenvitamin) E und K.
Die wasserlöslichen Vitamine
Die Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C
Ein spannendes Thema! Lassen Sie sich beraten
Ihr Team der Vinzenz Apotheke
